Oldies are goldies

Von Stefanie Rigutto, 7. Juli 2013

Meine liebsten Reisekollegen sind Rentner. Na ja, so pauschal gesagt, ist das wohl etwas übertrieben. Sagen wirs so: Wenn ich wählen müsste zwischen einem Car voller Teenager und einem Car voller Pensionäre – ich würde mich für die Oldies entscheiden. Was ich an Rentnern besonders mag: wenn sie Geschichten erzählen. Von früher, als sie noch lieber getanzt haben als gegessen. Von den Ferien in Rimini, als es noch der Place-to-be war. Oder von Jacques, genannt Schaaagi, der wettete, er werde um 15 Uhr auf die Zürcher Bahnhofstrasse – äxgüsi! – kacken, ohne dass jemand etwas merke. (Ich erzähle die Story gerne weiter, schreiben Sie mir.)

Gut möglich, dass sie einem dieselbe Geschichte mehr als einmal erzählen. Gut möglich, dass die Geschichte gar nicht wahr ist. Mir egal – ich fühle mich dann wie früher bei meinem Opa, der mir von den Dschungelabenteuern von «Heiri, em Sepp und em Koni» berichtete. Koni, mein Opa, war immer der Held. Logisch.

Jedenfalls mag ich Rentner auf Reisen. Doch die älteren Semester haben auch ein paar (bescheidene) Ansprüche: Sie möchten wissen, wo sie am Abend essen werden. Sie sind froh, wenn alles gut organisiert ist. Und sie brauchen oft Pausen: Kaffee-Pausen. Pipi-Pausen. Nickerchen-Pausen. Fussballresultate-gucken-Pausen. Beinevertreten-Pausen.

Kürzlich war ich mit einem Bus voller Rentner unterwegs. Es regnete die ganze Reise in Strömen. Die Laune der Leute? Irgendwo zwischen Begeisterung und Euphorie. Als wir wegen eines Erdrutsches im Tal feststeckten, störte das keinen. Da gab es kein verwöhntes Gemotze und kein «Mir ist egal, was es kostet – es muss einfach klappen». Stattdessen packten die Leute die Jasskarten aus und waren auch dann noch fröhlich, als klar war, dass wir eine weitere Nacht im Hotel bleiben mussten. Tags darauf konnten wir schliesslich doch noch fahren – einige waren darüber fast schon traurig. Einer meinte, er hätte durchaus länger bleiben können. Zeit habe er ja genug. «Und Heimweh ganz sicher nicht!»

Dieser Beitrag erschien am 7.7.2013 im Rahmen der Kolumne “Rigutto reist” in der SonntagsZeitung.

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