Die Krux mit FANTASTIC

Von Stefanie Rigutto, 21. Juli 2013

Auf jeder Amerika-Reise beschleicht mich das Gefühl, dass das ganze Land nur aus gut gelaunten Menschen besteht. Alle rufen dauernd «It’s fuuuun!» und sind auch sonst ganz fröhlich. Und alles, was sie erleben, ist mindestens «FANTASTIC». Daran wäre ja eigentlich nichts auszusetzen. Im Gegenteil. Ich sage immer: lieber eine Kassiererin, die mir ein falsches Lächeln schenkt, als eine, die mit einem sauren Lätsch brummt: «Einädrissgzwänzg.»

Und trotzdem – irgendwie finde ich das nicht normal. Jetzt können Sie natürlich sagen: Die Rigutto ist ein Miesepeter. Und darauf würde ich antworten: Stimmt nicht! Mein Problem ist viel mehr, dass auf dieser Welt gar nicht alles «fuuuun» sein kann. Und «FANTASTIC» (in Grossbuchstaben) schon gar nicht. Ein paar Dinge sind ganz einfach nur «shit»! Erstens. Und zweitens hat man doch nicht immer gute Laune. Das geht gar nicht. Doch in Amerika, so habe ich den Eindruck, ist man «weird», schräg, wenn man nicht die gut gelaunte Maske aufsetzt – was mich nicht erstaunen sollte: Wenn alle (scheinbar) gut gelaunt sind, fällt man als Griesgram aus dem Rahmen. Für schlechte Laune hat man – ich wage die Verallgemeinerung – in den USA kein Verständnis, denn dagegen nimmt man entweder ein Antidepressivum oder geht zum Psychologen.

Gelangweilt darf man auch nicht sein. Auf gar keinen Fall. Da sass ich doch in diesem Club in New York, war ein bisschen müde und hatte gar nicht sooo Lust auf Clubbing, aber ich hatte mich überreden lassen, und da sass ich dann halt mit meinem Mojito in der Ecke auf diesem bequemen Sessel und beobachtete das Partyvolk. Wenn ichs mir recht überlege, war es sogar ganz gemütlich. Doch dann kam Bob («I’m Baaab!»). Er setzte sich mir gegenüber hin und meinte herausfordernd: «What’s wrong with you?!» Ich würde ja total schlechte Stimmung verbreiten. Ich wollte ihm schon den dünnen Hals umdrehen, da realisierte ich: Es war eine Anmache. Nur war sie noch mieser als meine Laune.

Dieser Beitrag erschien am 21.7.2013 im Rahmen der Kolumne “Rigutto reist” in der SonntagsZeitung.

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