10. Luxus einst und heute

Von Brigitte Zaugg, 17. Februar 2015

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Bunte Orangerie-Dächer aus böhmischem Kristallglas, tonnenweise weisser Marmor aus Carrara, Art-déco-Möbel aus Paris, eine Audienzhalle so gross wie das Kirchenschiff im Petersdom, mit einem Thron aus purem Gold, und gigantische Fresken mit militärischen Paraden zu Ehren des Hausherrn: Der Reichtum der Maharadschas von Mysore muss grenzenlos gewesen sein, der Amba-Vilas-Palast bezeugt das mit jedem Winkel. Auf einem Gemälde ist zum Beispiel der so genannte „State Elephant“ in goldenem Geschmeide zu sehen: Es war ein Elefant, der in seinem Leben nichts anderes zu tun hatte als zu repräsentieren und vor dem Palast eine gute Falle zu machen, wenn der Maharaja hohe Gäste aus dem Ausland empfing.

Am Eingang zu diesem opulenten Überbleibsel aus Indiens vordemokratischer Zeit muss man – wie sonst in Tempeln üblich – die Schuhe ausziehen. Das fällt uns leicht, da es tagsüber so warm ist, dass wir sowieso längst nur noch in flipflopartigen Schlärpli unterwegs sind. Empfehlenswert: Das Regal, wo man sie im „Shoe Deposit“ hinstellt, sollte man sich genau merken, denn den Palast von Mysore besuchen täglich Heerscharen von (meist indischen) Touristen und Schulklassen aus allen Ecken des Landes. Es stehen da also ziemlich viele Schlärpli herum. Ein angenehmes Gefühl übrigens, barfuss über die kühlen Mosaikböden des Palasts zu wandeln und nur Augen für den ganzen Pomp, Prunk und Protz von einst zu haben.

Unser eigener Luxus in der „Sandalwood-Town“ Mysore: eine wohlriechende (genau: Sandelholz, mein Lieblingsduft!), grosszügige, geschmackvoll eingerichtete Suite und eine Terrasse mit Blick auf den Palmengarten und den Kunstteich, der aussieht wie das Kinderbassin in einer Schweizer Badeanstalt und in dem sich die „Windflower“-Wächtergänse nach einer langen Arbeitsnacht schnatternd und schwadernd ihr wohlverdientes Morgenbad gönnen.

– Eine virtuelle Tour durch den Palast von Mysore bietet die offizielle Website www.mysorepalace.gov.in
– Hotel: Windflower Resort & Spa, Maharanapratap Rd, Nazarbad, Mysore; www.thewindflower.com

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Drinnen ist fotografieren verboten – draussen wird dafür umso lieber posiert

 

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Einer von sechs bronzenen Löwen im Palastgarten, geschaffen 1909 vom britischen Bildhauer William Robert Colton für den damaligen Herrscher von Mysore, den „Colonel His Highness Maharaja Sri Sir Nalwadi Krishnaraja Wadiyar Bahadur“, kurz: Krishnaraja Wadiyar IV., seinerzeit einer der reichsten Männer der Welt

 

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Wo bitte sind hier die Sportkanäle? Arno findet beim Zappen in der „Windflower“-Suite nur Folklore

 

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Die Gänse beim Morgenbad. Einmal mehr ist mir, wie man oben rechts sieht, ein Finger vor die iPad-Kamera gerutscht

INGREBIDEL !NDIA: Als Gastbloggerin des Monats Februar schreibt annabelle-Produzentin Brigitte Zaugg über ihre jüngste Südindien-Reise mit Strandferien in Goa und einer Rundreise durch Karnataka, Tamil Nadu und Pondicherry. Ihr Profil bei Tripadvisor: „Reisende/r über 60“, „Ökotourist“, „Fan von Ruhe und Entspannung“. Mit dabei: Arno (68), die ultimative Inkarnation des Tripadvisor-Kriteriums „Fan von Ruhe und Entspannung“ und ein Meister der universellen Zeichensprache („Wieso reden, wenn mit ein paar angedeuteten Handzeichen alles gesagt werden kann?“)

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