23. Time To Say Goodbye

Von Brigitte Zaugg, 3. März 2015
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Just married: Jeson und Valentina mit Gratulantinnen und Kameramann vor der St.-Alex-Kirche in Calangute

Die letzten Ferientage in Goa wollen gut geplant sein, denn man muss da einiges aneinander vorbeibringen: Letzte Termine bei Ayurveda-Masseur Binu, Yakwolldecken und etwas Silberschmuck auf dem Tibet Market in Calangute einkaufen, eine Einladung zur Falooda-Degustation (ein Glacegetränk mit Rosensirup) bei Nasu und ihrer Mutter Illa, eine letzte Pedicure bei Meena. Und natürlich die letzten Abendessen: Einmal Barbecue bei Greg Fernandes im „Café del mar“, einmal Crevetten-Biryani bei Gregs Bruder Luis im Nachbarshack „Simon’s Place“ (für einen Bootstrip mit dem „Captain“ reicht die Zeit ja ohnehin nicht mehr), einmal Sonntagsbraten mit Kartoffelstock bei Tante Lourdes im „Vilo Villa“ – und ganz sicher noch einmal eine deftige tibetische Nudelsuppe bei unserem guten alten Freund Ganesh Shrestha im „Sea Shore“ gleich bei der Busstation unter dem Banyan-Baum in Calangute.

A propos alte Freunde: Cruz Silveira vom Guesthouse beim weiter nördlich gelegenen „Dolphin“-Shack werden wir aus Zeitgründen erst im nächsten Winter wiedersehen. Glauben wir zumindest – bis er an unserem drittletzten Tag unvermittelt im „Café del mar“ auftaucht. Er habe sich schon gedacht, dass er uns hier finde, lacht er und drückt uns einen weissen Umschlag in die Hand. Es ist eine Einladung für den nächsten Tag – zur Hochzeit seines jüngeren Bruders Jeson. Auch Xavier (sein älterer Bruder, den wir stets den „Prinz“ nannten) werde da sein.

Das wird eng, den Abend haben wir bereits Ganesh versprochen. Aber die Hochzeitsmesse am Nachmittag lässt sich einrichten, an siestalose Tage muss ich mich ohnehin langsam wieder gewöhnen. Und Xavier müssen wir doch einfach sehen (obwohl das in der Schweiz eigentlich viel einfacher wäre: Der „Prinz“ lebt mit seiner deutschen Frau und seinen beiden Söhnen in Stuttgart).

Xavier, Cruz und Jeson Silveira, Greg Fernandes und Ganesh Shreshta in ein- und demselben Blog-Eintrag – da schliesst sich für Arno und mich ein Kreis, der seinen Anfang im tiefsten blogfreien Mittelalter nahm:

1993 reisten wir erstmals zusammen nach Goa. Unser damaliger Lieblingsshack, in meiner trügerischen Erinnerung noch weitherum der einzige südlich von Calangute, war das „Dolphin“ – ziemlich hippiemässig geführt von einem durch und durch liebenswürdigen, langhaarigen Beachboy namens Xavier. Dessen kleiner Bruder hiess Cruz und war, weil er gut rechnen und schreiben konnte, der Oberkellner. Als Hilfskellner war ein schlaksiger Junge aus der Nachbarschaft angestellt, ein gewisser Greg, den aber alle nur bei seinem Spitznamen „Munga“ riefen. In der einfachsten aller Küchen dieser Welt kochte ein mittelloser nepalesischer Gastarbeiter namens Ganesh einfache Gerichte wie Palak Paneer (Spinat mit indischem Frischkäse) oder Aloo Gobi (Kartoffeln mit Blumenkohl). Und manchmal kam ein kleiner Bubi zum Spielen und Mit-den-Hunden-Rumtollen in den Shack, das war Jeson.

Weil jenes Zeitalter natürlich auch noch handy-, e-mail- und erst recht facebookfrei war, brach der Kontakt nach den Ferien logischerweise gleich wieder ab. Bis es uns zehn Jahre später nostalgiehalber erneut nach Goa zog und wir im damals neu gebauten „Empire Beach Resort“ Einzug hielten, wo der nächstgelegene Beachshack – genau – das „Café del mar“ war. Wenn es unter den rund 36‘000 Hindu-Gottheiten eine gibt, die für die Wiederbelebung eingeschlafener Freundschaften zuständig ist, dann hat sie das wirklich schön eingefädelt.

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Cruz arbeitete viele Jahre auf Kreuzfahrtschiffen und tourte so rund um die Welt. Heute besitzt er ein Guesthouse in Calangute

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Begrüssungsgesten alter und in Ehren ergrauter Freunde: Xavier „Prinz“ Silveira und Arno nach der kirchlichen Trauung von Xaviers Bruder Jeson

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Ein bisschen wie Vater und Sohn: Arno und Ganesh. Der einstige „Dolphin“-Koch führt seit über zehn Jahren zusammen mit seiner Frau Renuka ein eigenes Restaurant, das „Sea Shore“ in Calangute

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Dank ein paar Brocken Hindi meinerseits und rudimentären Englischkenntnissen ihrerseits verstehen wir uns prächtig: Renuka und ich in der „Sea Shore“-Küche. Zu Renukas Küchenutensilien gehören Messer und Sparschäler aus der Schweiz, und auch eine handbetriebene Nudelteigmaschine von Globus tut seit vielen Jahren zuverlässig ihren Dienst

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Mein Geheimtipp auf der Speisekarte des „Sea Shore“: Etwas Feines aus dem tibetischen Suppentopf. Oder auch Egg Plant Rolls, gefüllte Auberginenröllchen – die gibt es nämlich sonst in ganz Goa nirgends. Was ich noch nie bestellt habe und ganz sicher auch nie bestellen werde: Baby Shark!

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Einer von „Paulos Söhnen“ ist Luis, Bootsbesitzer und Shack-Wirt im „Simon’s Place“ – und ein ausgezeichneter Koch. Sein Biryani (ein traditionelles Reisgericht, göttlich gewürzt und mit Füllung nach Wunsch) mag ich am liebsten mit Crevetten

 

INGREBIDEL !NDIA: Als Gastbloggerin des Monats Februar schreibt annabelle-Produzentin Brigitte Zaugg über ihre jüngste Südindien-Reise mit Strandferien in Goa und einer Rundreise durch Karnataka, Tamil Nadu und Pondicherry. Ihr Profil bei Tripadvisor: „Reisende/r über 60“, „Ökotourist“, „Fan von Ruhe und Entspannung“. Mit dabei: Arno (68), die ultimative Inkarnation des Tripadvisor-Kriteriums „Fan von Ruhe und Entspannung“ und ein Meister der universellen Zeichensprache („Wieso reden, wenn mit ein paar angedeuteten Handzeichen alles gesagt werden kann?“)

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