Neuseeland, nie genug

Von Danielle Hausmann, 10. März 2015

„It’s only a drop in the ocean“ – dies ein so genanntes „useful Idiom“, das ich in der Sprachschule in Singapur gelernt habe. Nun, für zwei Wochen in Neuseeland, stimmt diese Redewendung in Bezug auf meine Verweildauer wie die Faust aufs Auge. Aber zwei Wochen sind viel besser als nichts und angesichts der schieren Grösse und Vielfalt der Natur wären auch zwei Monate nicht genug, um das ganze Land zu sehen. Das zeigt sich während meiner Reise eindrücklich bei einer Begegnung auf der Fähre von Wellington nach Picton; ich treffe einen Hiker, der ganze zwei Jahre durch Neuseeland wandert. Vom nördlichsten Punkt der Nordinsel bis hinunter zur südlichsten Spitze der Südinsel. Für jede Insel ein Jahr. Ich werde kurz sehr andächtig, diesen Langzeit-Traveller exakt bei seinem Halbzeit-Punkt angetroffen zu haben.

Aber eben, ich habe zwei Wochen und beginne meinen Trip in Auckland, wo ich mich meinem Vater und seiner Frau anschliesse, die ebenfalls länger unterwegs sind. Dank Singapur gut mit Urbanität versorgt, lassen wir die Stadt links liegen und fahren direkt auf die Coromandel-Peninsula. An der Pazifik-Küste gelegen, bietet sie wunderschöne Strände, idyllische Hafen- und Fischerboot-Atmosphäre und prächtige Hiking-Trails. So gibt uns der Harray-Track einen Vorgeschmack darauf, was Wandern in Neuseeland bedeutet: Gut ausgebaute und teilweise über Stunden menschenleere Pfade durch atemberaubende Landschaften, dichte Wälder mit spektakulären Aussichtspunkten. Um einen etwas abstrakten Vergleich zu bemächtigen: Wenn die Natur Westeuropas eine Kugel Vanilleglace ist, dann ist Neuseeland ein Coupe Dänemark, mit Rahm.

Nach 3 Tagen führt uns unser Trip nach Whakapapa, dem Tor zum Tongarino-Nationalpark. Wälderwelten werden zu karger Vulkanlandschaft. Hier wäre zu empfehlen, den eintägigen Tongarino Alpine Crossing zu bewältigen. Ein blutiger Jogging-Unfall am Vortag verunmöglicht dieses Vorhaben jedoch. Verschieben ist nicht möglich, wir wollen weiter auf die Südinsel. Dort kurven wir nach der spektakulären Überfahrt von Wellington nach Picton auf kurvigen Küstenstrassen nach Havelock. Das pittoreske Dörfchen ist der perfekte Ausgangspunkt für Wanderungen in der Region Marlborough Sounds. Wir entscheiden uns für einen Teil des Queen Charlotte Track, einem spektakulären Küstenwanderweg über insgesamt 70 Kilometer. Dafür lassen wir uns mit dem Wassertaxi in der Mistle Toe Bay absetzen und wandern in rund 4 Stunden zurück nach Anakiwa, dankbar und glücklich, für eine kurze Zeit Teil dieser atemberaubenden Region sein zu dürfen. Die Anreise mit dem Wassertaxi ist ein unterhaltsames Must, da viele Buchten nur auf dem Wasserweg zu erreichen sind. So auch im Abel Tasman Park, in dem wir einige Tage später von Anchorage nach Marahau hiken. Hier gibt es auf der Wasser-Überfahrt auch einiges zu sehen: Wir haben das Vergnügen, auf einen Schwarm kleine Pinguine zu treffen. „It’s only a drop in the ocean“. Nur ein Tropfen, der aber in allen Farben schimmert. Ich werde zurückkommen. Der Tongarino Alpine Crossing wartet.

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Das Wassertaxi ermöglicht einen herrlichen Blick auf die Küste.

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Die Aussicht und die Vegetation auf dem Queen Charlotte Track sind atemberaubend. No words.

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Wir starten am Strand: Vom Wassertaxi abgesetzt geht’s los im Sand.

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Erst ist die Vegetation karg und trocken. Doch wie für Neuseeland typisch wechselt sie blitzschnell …

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… und schon ist wieder üppiger Wald zur Stelle – spektakulärer Blick inklusive.

 

Wandern in Coromandel: Harray Track, 3 Stunden.

Wandern in Havelock: Queen Charlotte Track, Mistle Toe Bay – Anakiwa, 4 Stunden.

Wandern im Abel Tasman Park: Abel Tasman Coast Track, Anchorage – Marahau, 5 Stunden (mit Zusatzschlaufe zum Pitt Head)

Die freie Journalistin Danielle Hausmann verbringt mit ihrem Mann ein Jahr in Singapur und schreibt uns gelegentlich als Gastbloggerin ihre Erlebnisse aus der asiatischen Grossstadt oder von einer ihrer unzähligen Reisen.

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