Generation Hostel

Von Danielle Hausmann, 19. März 2015

Auch ohne eine SWOT-Analyse im Vorfeld ist klar: Als Erwachsene mit den eigenen Eltern zu reisen, bietet Chancen – und Gefahren. Man kennt es ja eigentlich aus der Jugend; wie idyllisch auch immer die Familien-Konstellation sein mag, irgendwann kommt der Punkt, an dem sich die negativen Seiten des eigentlichen Glücks zeigen, dass man sich gut kennt. Entscheidet man sich aber bewusst für einen Mehrgenerationen-Trip, ist Neuseeland eine sehr gute Option. Mit einer unendlichen Anzahl an Hostels bietet es die idealen Rahmenbedingungen für einen Familienausflug, in meinem Fall einer Reise mit meinem Vater und seiner Frau.

Neuseeländische Backpacker-Unterkünfte sind preisgünstig und getrennte Zimmer, die für eine langfristig gute Stimmung von nicht zu überschätzender Wichtigkeit sind, gut erschwinglich. Der Sauberkeits-Standard der neuseeländischen Hostels ist überall sehr hoch, so wird die Benutzung der Etagen-Duschen für kein Familienmitglied zur wirklichen Herausforderung. Ein weiterer Vorteil der Backpacker-Unterkünfte sind die Gemeinschaftsküchen. Ich finde es reichlich unterhaltsam, in jeder auch noch so abgefahrenen Ausstattung zu kochen. Und meine Mitreisenden zum Glück auch. Ist der Sauberkeits-Faktor einmal nicht ganz so hoch, ist immerhin das Gesprächsthema des Abends gesetzt. Oder wiederum am Morgen beim Frühstück, wenn mangels Geschirr und Porzellan der Kaffee aus dem Bierglas getrunken wird. Prost! Selber Kochen bringt Abwechslung und Möglichkeiten zur temporären Abgrenzung: Gibt es ein getrenntes Tagesprogramm, so können die früheren Heimkehrer oder die ganz Daheimgebliebenen den Kochservice übernehmen, die anderen den Abwasch. Beim Kochen lohnt sich der Blick über den eigenen Pfannenrand und – wie immer beim Rucksackreisen – der gepflegte Austausch mit den Hostel-Mitbewohnern. Warum zum Beispiel kochen die Asiaten den Eisberg-Salat als Suppe oder wieso wird das Steak der Herdplatte dort hinten in Bier gedünstet?

A Propos Steak: In den meisten Hostels gehört ein Grill zum Standard, ein Fest für Fleischfreunde, die in Neuseeland voll auf ihre Kosten kommen. Für Vegetarier ist ebenfalls gesorgt; denn auch das Halloumi-Angebot ist im New-World-Supermarkt sehr gut (wie übrigens auch das vegetarische und vegane Angebot in Cafés und Restaurant). Für die Grill-Beilagen können einheimische Avocados zu Guacamole und köstliche Süsskartoffeln zu reichhaltigen „side dishes“ verkocht werden. Auswärts empfiehlt es sich, Fisch und Seafood zu geniessen. Beispielsweise in der Muschel-Hochburg Havelock auf der Südinsel, das sich selbst als Welthauptstadt der „green mussels“ rühmt. Diese Muscheln sind grösser als beispielsweise französische Moules – auf Beilagen darf getrost verzichtet werden. Dann noch ein Glas lokalen Weisswein und es herrscht ruhige Eintracht am Familientisch.

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Zwei Generationen unterwegs, Hostel sei Dank kein Problem.

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So geordnet ist es mitnichten in jeder Hostel-Küche. Umso schöner, wenn Sauberkeit herrscht!

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Ein Kühlschrank, der auch ein Whiteboard ist. Wir haben uns mangels Edding nicht verewigt.

 

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Süsskartoffel und Avocado, Neuseelands Landwirtschaft hat viel zu bieten …

 

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… aber nicht nur für den Vegetarier, sondern auch für den Fleischesser.

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Grüne Muscheln, eine neuseeländische Spezialität. Ob im Bierteig, geräuchert oder gratiniert, sie sind alle gut.

 

Die freie Journalistin Danielle Hausmann verbringt mit ihrem Mann ein Jahr in Singapur und schreibt uns gelegentlich als Gastbloggerin ihre Erlebnisse aus der asiatischen Grossstadt oder von einer ihrer unzähligen Reisen.

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