Ab aufs Barrhorn, den höchsten Wanderberg Europas

Von Stefanie Rigutto, 31. August 2015

Achtung, dies ist eine Hardcore-Wanderung! Oder wie es Fredy Tscherrig, der Wart der Turtmannhütte, formulierte: „Das ist keine Radio-Wanderung.“ Also eine dieser „Kindergarten-Routen“, die sie jeweils im Radio vorstellen.

Das Walliser Barrhorn – genauer das Üssers Barrhorn – ist mit 3610 Metern der höchste Wanderberg Europas. Das heisst, man kann ihn auch als «ganz normaler» Wanderer erklimmen. Man braucht weder Seil noch Steigeisen, man folgt einfach der rot-weiss markierten Route. Und so gehts:

1. Tag: Anreise ins Turtmanntal. Es zweigt vom Rhonetal ab und ist nur im Sommer bewohnt, sobald die Lawinen­gefahr vorbei ist. Eine enge Strasse schlängelt sich ins Tal hinein. In Vorder Sänntum, bei der Fahrverbotstafel, parkiert man das Auto neben der Turtmänna, die fröhlich vor sich hin gluckst.

Dann läuft man alles dem Turtmanngletscher entgegen. Der Weg führt durch stille Lärchenwälder und eine Schafherde, die von Hirtenhunden bewacht wird. Die Wiesen sind überzogen mit leuchtend gelbem Wundklee.

IMG_5229

IMG_5220

Nach dem Stausee geht es steil den Berg hoch. Weit oben, auf 2500 Metern, thront die Turtmannhütte, das Tagesziel. Die Wanderung vom Parkplatz zur Hütte dauert etwa zwei Stunden (600 Höhenmeter).
IMG_5230

IMG_5237

2. Tag: Heute gehts aufs Barrhorn! Von der Hütte bis dorthin sind es etwa 1100 Höhenmeter. Auf der offiziellen ­Wanderskala wird die Tour mit T3+ angegeben, anspruchsvolles Bergwandern. Wenn es über Nacht geschneit hat, kann es schnell kippen: Dann wird aus der Wanderung plötzlich eine Bergtour. IMG_5238

Um 8 Uhr, nach einem ausgiebigen Frühstück, läufst du los. Ein schmaler Weg führt durch schönste Blumenwiesen – aber nicht lange: Bald schon folgt die schwierigste Passage, das Gässi, ein saumässig steiles Felscouloir. Fredy Tscherrig hat Seile an den Felsen montiert, um den Aufstieg zu erleichtern. Man kommt sich vor wie Reinhold Messner. Danach folgt man den Steinmännchen bis zum Schöllijoch auf 3343 Metern. Steile Kehren, unter den Füssen Schotter und Geröll, mal wird es sandig, dann ist da wieder nur der blanke Fels.

IMG_5228

IMG_5248Vom Schöllijoch blickt man auf den Dom, den höchsten Berg, der ganz auf Schweizer Boden steht. Nun geht es noch die letzten 100 Meter steil nach oben bis zum Üssers Barrhorn, wo man sich im Gipfelbuch einträgt. Die Aussicht ist das reinste Bergwanderer-Glück: vom Montblanc über den Monte Rosa, von den Berner bis zu den Waadtländer Alpen. Jetzt gehts nur noch runter…!

Kommentare