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19. Steine zum Staunen

Von Brigitte Zaugg, 27. Februar 2015

Wenn dieser Findling auf seiner abschüssigen Unterlage bloss nicht ins Rollen kommt! Wie riesig er ist, sieht man am winzigen Hund auf seiner linken Seite und am winzigen Mann, der sich rechts in seinem Schatten ausruht. Der Felsbrocken ist natürlich aus Granit, für die Menschen hier ist er aber „Krishnas Butterball“, zusammengepappt aus all der Butter, die der indische Liebesgott Lord Krishna als junger Lausebengel bei allen möglichen Hirtenmädchen zusammenklaute. Das müssen sehr viele Hirtenmädchen gewesen sein: Ein Versuch der Behörden des Bundesstaats Tamil Nadu, den Stein aus Sicherheitsgründen zu versetzen, ist gescheitert, der Butterball liess sich keinen Millimeter bewegen. Weiterlesen

18. Desperately Seeking Ashtray

Von Brigitte Zaugg, 26. Februar 2015

Nach unendlich langen, meist selbstauferlegten Rauchpausen in der Wildnis, im Familienkreis oder in aschenbecherlosen Grossstädten erwartet uns das ehemals französische Unionsterritorium Puducherry (das bis 2006 noch Pondicherry hiess) mit einer kleinen Offenbarung: Auf den Tischen in der Gartenbar des Hotels The Promenade finden wir doch tatsächlich … Aschenbecher! Ein ganz und gar neuartiges Luxusgefühl, für eine Zigi nicht raus auf die Strasse zu müssen. Und eine seelische Erleichterung obendrauf, weil Rauchen in der Öffentlichkeit, also zum Beispiel auf Strassen, in ganz Indien theoretisch verboten ist. In diesem Zusammenhang kann ich auch gleich beichten, dass ein Teil des Litterings entlang unserer bisherigen Reiseroute von mir verursacht ist. Weiterlesen

17. Nilgiri Queen macht Dampf

Von Brigitte Zaugg, 24. Februar 2015

Das sieht man, wenn man sich im hintersten Abteil des Nilgiri Mountain Train aus dem Fenster lehnt: halsbrecherische Viadukte, russgeschwärzte Tunnels, unzählige Kehren, Dschungel und nochmals Dschungel, Schluchten, Wasserfälle und extrem stotzige Hänge, an denen da und dort kleine Dörfer kleben. Und ganz vorne, in Rauchschwaden gehüllt, die Dampflok Nilgiri Queen. Von Coonoor hinunter nach Mettupalayam sind in dreieinhalb Stunden gemütlicher Fahrzeit rund 1500 Höhenmeter zu überwinden, ein bahnromantisches Highlight der Extraklasse, das seit zehn Jahren den Status eines Unesco-Welterbes hat. Weiterlesen

16. Gruppenbild mit Digital Native

Von Brigitte Zaugg, 23. Februar 2015

Man beachte, wie gut mein Leinentop aus dem Schneideratelier von Parvesh zum Haus der Kumars passt Der Kleine auf Grossvater Ravi Kumars Arm ist Aarav, der jüngste Spross unserer Gastgeberfamilie im Aakriti Eco Homestay in den Nilgiri Hills. Er ist zweijährig und ein Wonneproppen, der mein Herz im Sturm erobert hat – und der in der digitalen Welt schon jetzt heimischer ist, als ich es je sein werde: „Apple!“, ruft er begeistert aus, als ich für ein paar Fotos das iPad anwerfe. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass er damit nicht das auf dem Display erscheinende Firmenlogo meint, den angebissenen Apfel, sondern eben das, was dahinter steckt. Weiterlesen

15. Die grünen blauen Berge

Von Brigitte Zaugg, 22. Februar 2015

„Nila“ bedeutet blau, „giri“ heisst Hügel. Wir sind in den Nilgiri Hills auf über 2200 m ü.M. Blaue Flecken sind jedoch höchstens am Himmel zu sehen, die Landschaft mit ihren Urwäldern und Teeplantagen dagegen ist grün wie Irland auf Drogen. Ziemlich verstörend, dass die Bäume hier oben in den Himmel zu wachsen scheinen, während die höchste Waldgrenze der Schweiz (im Walliser Turtmanntal) bei 2100 Meter liegt. Weiterlesen

14. Bitzli Angst vor grossen Tieren

Von Brigitte Zaugg, 21. Februar 2015

Das ist Kaveri, etwas über 50 Jahre alt und Arbeitselefant im Ruhestand. Damit die starke Lady aber fit bleibt und nicht ganz aus der Übung kommt, erledigt sie als Freelancerin fürs „Orange County“-Resort noch immer kleine Gelegenheitsjobs. So kann man sich zum Beispiel auf ihrem Rücken für eine halbe Stunde auf dem flach abfallenden Ufer des Kabini-Sees spazieren führen lassen. Was ich mich freilich nicht getraue. Denn ein wenig Angst vor grossen Tieren habe ich auch noch mit sechzig, obwohl das grösste Tier, das mich je im Leben gebissen hat, Nachbars Dackel Netti war. Doch wie gut erinnere ich mich, dass ich mir als Vierjährige vor Schreck in die Hosen pinkelte, als ich in der Tierschau des Circus Knie zum erstenmal Elefanten sah. Ein traumatischer Anblick, wie die mit ihren schweren Fussketten rasselten, mit den Ohren flappten und ihre riesigen Köpfe hin- und herwogen liessen, wobei einer sogar noch seinen Rüssel nach mir ausstreckte. Mein Grossvater im Wallis, der in seinem ganzen Leben nie einen lebenden Elefanten sah, hatte es mir drastisch geschildert: Er habe gehört, diese Tiere seien gross wie Häuser und so stark, dass sie mit dem Rüssel ganze Bäume ausreissen können. Weiterlesen

13. Better Specialize In Landscape

Von Brigitte Zaugg, 20. Februar 2015

Sambarhirsch? Gaurkuh? Indisches Wildschwein? Ein Elefant kann es jedenfalls nicht sein – der einzige Elefant, den wir auf der Jeep-Safari im Nagarahole-Nationalpark gesehen haben, hatte sich ohnehin längst in die Büsche geschlagen, als ich endlich auf den Auslöser drückte. Die meisten meiner Tierfotos von jenem frühen Morgen sehen kläglich aus, und es ist kein Wunder, dass Arno meinte, ich sollte mich vielleicht besser auf Landschaften spezialisieren, die würden mir wenigstens nicht davonlaufen. Zum bewegten Motiv kamen in meinem Fall erschwerend hinzu: eine holprige Naturstrasse voller Schlaglöcher, dazu eine Kälte, dass mir fast die Finger am iPad festfroren, und der Fahrtwind, in dem es mir immer wieder den Paschminaschal vors Gesicht schlug – da war es halt so eine Sache mit dem Fotografieren. Weiterlesen

12. Green Peace vom Feinsten

Von Brigitte Zaugg, 19. Februar 2015

Im Orange County Resort am Rand des Nagarahole-Nationalparks finden „Fans von Ruhe und Entspannung“ und „Ökotouristen“ gleichermassen das Paradies auf Erden. Wir wohnen in einem palmblattbedeckten Häuschen im Grünen, auf dem es sich – bestimmt ist das eine Glücksantwort auf den Gecko von Goa – ein Storch der Gattung Klaffschnabel gemütlich macht. Weiterlesen