Kolumne

Bye-bye – Irrtum ausgeschlossen

Von Stefanie Rigutto, 2. März 2014

Nach über drei Jahren und fast 70 Kolumnen in der SonntagsZeitung ist dies meine letzte. Zum Abschluss möchte ich ein paar Irrtümer des Reisejournalismus widerlegen: - Irrtum Nr. 1: Reisejournalisten machen Ferien und schreiben darüber. Fakt: Für kein Geld der Welt würde ich in meinen Ferien morgens um sieben Uhr aufstehen, von Interview zu Termin hetzen, mir die Füsse wund laufen, dauernd Notizen in mein Büchlein schreiben, abends das Gekrakel in den Computer tippen und auch noch den angestauten Haufen von Mails beantworten. Reisejournalismus ist harte Arbeit (aber - zugegeben - tolle Arbeit). - Irrtum Nr. 2: Reisejournalisten fliegen Business. Fakt: Schön wärs! Diese Zeiten sind längst vorbei. Weiterlesen

So doof wie alle anderen

Von Stefanie Rigutto, 2. Februar 2014

Ich habe Leute erlebt, die am Flughafen ohne Koffer nach Hause gegangen sind - sie vergassen ihn ganz einfach. Ich habe Leute gesehen, die am Gepäckband standen und behaupteten, der letzte verbliebene Koffer sei nicht ihrer - erst als eine Angestellte die Baggage Tags verglich, erinnerten sie sich, welche Farbe ihr Koffer hatte. Und natürlich kenne ich auch Leute, die den falschen Koffer mit nach Hause nahmen. Eine Menge Leute. Vor allem zu jener Zeit, als jeder zweite Schweizer mit einem braunen Kappa-Koffer reiste, den er mit den Coop-Superpunkten gekauft hatte. Was habe ich über sie gespottet! Und jetzt bin ich - die Vielreisende - also selber so doof. Weiterlesen

Der Mythos Backpacker

Von Stefanie Rigutto, 10. November 2013

Manchmal denke ich: Ach, ich möchte mal wieder nur mit dem Rucksack verreisen. Als Backpacker. Aber dann erinnere ich mich, wie es jeweils war in den Hostels - und die Nostalgie ist gleich wieder weg. Man lernt als Backpacker zwar viele Leute kennen, aber die Gespräche drehen sich immer ums Gleiche: Woher kommst du? Wohin gehst du? Wie lange bist du schon hier? Warst du auch in diesem Lokal? Nicht? Oh, da hast du aber was verpasst. Nächstes Mal musst du unbedingt blablabla... Weiterlesen

„Isch öppis?“

Von Stefanie Rigutto, 27. Oktober 2013

Ich dachte, ich wüsste langsam, wie knapp man am Flughafen erscheinen kann, ohne dass man ins Hetzen kommt. Falsch. Ich hatte die Rechnung nicht mit der lahmen Piccadilly Line gemacht, die mich nach London Heathrow brachte. Jedenfalls musste ich rennen wie eine Irre. Beim Betreten des Flugzeugs versuchte ich so zu tun, als wäre nichts - aber das war schwierig: Mein Zopf hatte sich gelöst, ich war völlig verschwitzt, die Haare hingen mir nass herunter, die Schuhbändel waren offen, und ich konnte das Keuchen nur schwer unterdrücken. Weiterlesen

Bagnino müsste man sein!

Von Stefanie Rigutto, 25. August 2013

Salve! Ich stehe immer noch vor der Kaffeemaschine in Follonica und werde mit Sonderwünschen gequält. Paula etwa will den Cappuccino immer mit lauwarmer, ungeschäumter Milch. (Frage an meinen Chef: "Ist das überhaupt noch ein Cappuccino?" Er: "Eigentlich nicht, aber wir nennen ihn trotzdem so.") Immerhin, von meinem Platz hinter dem Tresen überblicke ich das Meer. Und - die Bademeister. Nico, zum Beispiel. 21 Jahre alt, durchtrainiert wie Usain Bolt, leidenschaftlich wie ein junger Stier, das Gesicht rot-braun wie ein Tandoori Chicken. Unter den Shorts trägt er knallenge Höschen in den Italien-Farben. Milch schäumen in einer Strandbar - so wird mir plötzlich klar - hat auch ein paar Vorteile! Weiterlesen

Die Krux mit FANTASTIC

Von Stefanie Rigutto, 21. Juli 2013

Auf jeder Amerika-Reise beschleicht mich das Gefühl, dass das ganze Land nur aus gut gelaunten Menschen besteht. Alle rufen dauernd «It's fuuuun!» und sind auch sonst ganz fröhlich. Und alles, was sie erleben, ist mindestens «FANTASTIC». Daran wäre ja eigentlich nichts auszusetzen. Im Gegenteil. Ich sage immer: lieber eine Kassiererin, die mir ein falsches Lächeln schenkt, als eine, die mit einem sauren Lätsch brummt: «Einädrissgzwänzg.» Weiterlesen

Die Schnarcher vom Mittelsitz

Von Stefanie Rigutto, 16. Juni 2013

Neulich im Flugzeug. Der Typ neben mir - er auf dem Mittelsitz, ich am Fenster - war richtig müde. Kaum flogen wir horizontal, stützte er den Kopf am Vordersitz ab, und es dauerte keine fünf Minuten, da fing er leise an zu schnarchen. Ein Speichelfaden rann ihm aus dem Mund auf die Jeans. Sexy. Dann sackte er in sich zusammen wie ein erkaltendes Soufflé und wabbelte wie ein Pudding - wir hatten etwas Turbulenzen - nach links und rechts. Es war ein Gaudi! Ich hätts aufnehmen und auf Youtube stellen sollen. Ich stach immer mal wieder mit dem Zeigefinger zwischen seine Rippen, worauf er im Schlaf überrascht gluckste und auf die andere Seite hin torkelte. Dort sass eine junge Asiatin, die mich entgeistert anstarrte. Weiterlesen

Wärme auf 10’000 Metern

Von Stefanie Rigutto, 2. Juni 2013

Kürzlich flog ich nach Indien. Ich liebe ja die Inder. Gerade weil sie mich manchmal so richtig nerven. Reibung erzeugt Wärme. Und nirgends werde ich so warm für die Inder wie in der Economy auf 10'000 Meter über Meer. Kaum war nach dem Start das Anschnallzeichen erloschen, erhob sich die Hälfte der Leute und lief zur Toilette (zugegeben, ich auch). Eine alte Inderin drückte mit ihrem voluminösen Hintern alle Wartenden aus dem Weg und stellte sich an den Kopf der Reihe. Niemand sagte etwas. Ich auch nicht. Dann klopfte die Inderin energisch an die Toilettentür. Es war dringend. Weiterlesen