Rigutto reist

Die Schnarcher vom Mittelsitz

Von Stefanie Rigutto, 16. Juni 2013

Neulich im Flugzeug. Der Typ neben mir - er auf dem Mittelsitz, ich am Fenster - war richtig müde. Kaum flogen wir horizontal, stützte er den Kopf am Vordersitz ab, und es dauerte keine fünf Minuten, da fing er leise an zu schnarchen. Ein Speichelfaden rann ihm aus dem Mund auf die Jeans. Sexy. Dann sackte er in sich zusammen wie ein erkaltendes Soufflé und wabbelte wie ein Pudding - wir hatten etwas Turbulenzen - nach links und rechts. Es war ein Gaudi! Ich hätts aufnehmen und auf Youtube stellen sollen. Ich stach immer mal wieder mit dem Zeigefinger zwischen seine Rippen, worauf er im Schlaf überrascht gluckste und auf die andere Seite hin torkelte. Dort sass eine junge Asiatin, die mich entgeistert anstarrte. Weiterlesen

Wärme auf 10’000 Metern

Von Stefanie Rigutto, 2. Juni 2013

Kürzlich flog ich nach Indien. Ich liebe ja die Inder. Gerade weil sie mich manchmal so richtig nerven. Reibung erzeugt Wärme. Und nirgends werde ich so warm für die Inder wie in der Economy auf 10'000 Meter über Meer. Kaum war nach dem Start das Anschnallzeichen erloschen, erhob sich die Hälfte der Leute und lief zur Toilette (zugegeben, ich auch). Eine alte Inderin drückte mit ihrem voluminösen Hintern alle Wartenden aus dem Weg und stellte sich an den Kopf der Reihe. Niemand sagte etwas. Ich auch nicht. Dann klopfte die Inderin energisch an die Toilettentür. Es war dringend. Weiterlesen

Gute Laune für 9,65 Euro

Von Stefanie Rigutto, 19. Mai 2013

Ich war seit 14 Stunden unterwegs, war von Colorado nach Chicago und weiter nach Frankfurt geflogen. Ich freute mich, endlich nach Zürich zu kommen, doch in Frankfurt hiess es: «Sorry, wir sind überbucht, Sie müssen eine spätere Maschine nehmen.» Ich hatte diesen Flug, genau diesen Flug um 12.05 Uhr, gebucht und bezahlt - warum sollte ich jetzt eine spätere Maschine nehmen? Ich fluchte und rotzte und liess auch ein paar Tränen segeln, doch die Dame blieb absolut unbeeindruckt, tippte angestrengt in ihren Computer und streckte mir en passant eine Visitenkarte mit der (kostenpflichtigen) Telefonnummer für Beschwerden hin sowie einen 10-Euro-Gutschein. Gehts noch knausriger? Ich trottete in den erstbesten Kiosk und streckte den Gutschein der Verkäuferin hin, einer sympathischen Thailänderin. Ich (ziemlich missmutig): Einen Latte, bitte. Verkäuferin (lächelnd): Das kostet 3.40 Euro. Weiterlesen

Kategorie Giftklasse 1

Von Stefanie Rigutto, 5. Mai 2013

Als ich das erste Mal in Las Palmas auf Gran Canaria war, servierte der Kellner zum eiskalten San Miguel ein Schälchen mit kleinen süssen Kartöffelchen, die mit einer roten Sauce beträufelt waren (Knoblauch-Chili, wie ich später erfahren sollte). Papas arrugadas, runzlige Kartoffeln, heissen sie. Ich griff zu und schwebte sofort im Gourmethimmel. Diese deftige Mischung aus warmen Kartoffeln und pikanter Sauce - BIG LOVE! Ich war felsenfest überzeugt, dass ich mich für den Rest des Lebens nur noch von Papas arrugadas ernähren würde. Weiterlesen

Ein Hauch Frechheit

Von Stefanie Rigutto, 21. April 2013

Ich liebe Schweizerdeutsch im Ausland. Egal auf welchem Flecken der Erde, man kann fröhlich drauflospalavern, ohne Angst haben zu müssen, dass die anderen einen verstehen. Man mietet in einem Dörfchen in Thailand ein Töffli, der Angestellte tut sich irgendwie schwer, und schon rutscht einem ein «So ne Gurke, gell?!» heraus. Der richtige Zeitpunkt, um den Ich-pflaume-auf-Schweizerdeutsch-über-meine-Mitmenschen-und-finde-es-schampar-lustig,-dass-mich-niemand-versteht-juhuuu!-Schalter wieder umzulegen, ist vor dem Rückflug. Weiterlesen

Don’t bullshit people!

Von Stefanie Rigutto, 17. März 2013

Mit der Einreise in die USA ist es so eine Sache (Heidi Happy weiss das jetzt auch ...). Schon als Tourist kommt man sich vor wie ein Schwerverbrecher. Aber als Journalistin ohne Pressevisum - da zittern die Beine. Jahrelang bin ich als Touristin eingereist, auch wenn ich für eine Reportage unterwegs war. Ich hatte jedes Mal verschwitzt, ins US-Konsulat nach Bern zu fahren! (Das ist gelogen, ich hatte einfach keine Lust dazu.) Und es ging ja immer alles gut - bis ich mit einer Fotografin einreiste, die an den falschen Beamten geriet. Er war einer, der normalerweise die Verdachtsfälle auseinandernimmt. Jedenfalls spürt er im grossen Zeh, wenn einem die Beine zittern. Weiterlesen

Im Paradies der Schamhaare

Von Stefanie Rigutto, 3. März 2013

Mit Airbnb.com – dem Online-Vermittler von Privatunterkünften – habe ich bislang nur die tollsten Erfahrungen gemacht. In Berlin schliefen wir im Atelier eines Künstlers, in New York teilte ich die Wohnung mit Emily und ihrer Katze, in Belize vermieteten uns Colin und Linda eine süsse Cabana direkt am Meer, und in Mailand war ich in einem liebevoll eingerichteten Appartement direkt an der Shoppingmeile. Kurz: Ich bin ein absoluter Airbnb-Fan! Weiterlesen

Wie übersteht man einen Nachtflug in der Holzklasse?

Von Stefanie Rigutto, 20. Januar 2013

Wie übersteht man einen langen Nachtflug? (Ich rede von der engen Economy, nicht von der Business - dort ists ein Plausch!) Hier meine zehn Tricks: 1. Ich reserviere immer einen Fensterplatz. So kann ich den Kopf anlehnen, habe mehr Privatsphäre und werde vom Nachbar weniger gestört. 2. Ich schwöre auf Meersalz-Nasenspray gegen die trockene Luft. Ohne betrete ich kein Flugzeug (auch kein Büro, aber das ist ein anderes Thema ...). Zudem nehme ich immer ein kleines Kissen mit. Weiterlesen