Südindien

16. Gruppenbild mit Digital Native

Von Brigitte Zaugg, 23. Februar 2015

Man beachte, wie gut mein Leinentop aus dem Schneideratelier von Parvesh zum Haus der Kumars passt Der Kleine auf Grossvater Ravi Kumars Arm ist Aarav, der jüngste Spross unserer Gastgeberfamilie im Aakriti Eco Homestay in den Nilgiri Hills. Er ist zweijährig und ein Wonneproppen, der mein Herz im Sturm erobert hat – und der in der digitalen Welt schon jetzt heimischer ist, als ich es je sein werde: „Apple!“, ruft er begeistert aus, als ich für ein paar Fotos das iPad anwerfe. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass er damit nicht das auf dem Display erscheinende Firmenlogo meint, den angebissenen Apfel, sondern eben das, was dahinter steckt. Weiterlesen

15. Die grünen blauen Berge

Von Brigitte Zaugg, 22. Februar 2015

„Nila“ bedeutet blau, „giri“ heisst Hügel. Wir sind in den Nilgiri Hills auf über 2200 m ü.M. Blaue Flecken sind jedoch höchstens am Himmel zu sehen, die Landschaft mit ihren Urwäldern und Teeplantagen dagegen ist grün wie Irland auf Drogen. Ziemlich verstörend, dass die Bäume hier oben in den Himmel zu wachsen scheinen, während die höchste Waldgrenze der Schweiz (im Walliser Turtmanntal) bei 2100 Meter liegt. Weiterlesen

14. Bitzli Angst vor grossen Tieren

Von Brigitte Zaugg, 21. Februar 2015

Das ist Kaveri, etwas über 50 Jahre alt und Arbeitselefant im Ruhestand. Damit die starke Lady aber fit bleibt und nicht ganz aus der Übung kommt, erledigt sie als Freelancerin fürs „Orange County“-Resort noch immer kleine Gelegenheitsjobs. So kann man sich zum Beispiel auf ihrem Rücken für eine halbe Stunde auf dem flach abfallenden Ufer des Kabini-Sees spazieren führen lassen. Was ich mich freilich nicht getraue. Denn ein wenig Angst vor grossen Tieren habe ich auch noch mit sechzig, obwohl das grösste Tier, das mich je im Leben gebissen hat, Nachbars Dackel Netti war. Doch wie gut erinnere ich mich, dass ich mir als Vierjährige vor Schreck in die Hosen pinkelte, als ich in der Tierschau des Circus Knie zum erstenmal Elefanten sah. Ein traumatischer Anblick, wie die mit ihren schweren Fussketten rasselten, mit den Ohren flappten und ihre riesigen Köpfe hin- und herwogen liessen, wobei einer sogar noch seinen Rüssel nach mir ausstreckte. Mein Grossvater im Wallis, der in seinem ganzen Leben nie einen lebenden Elefanten sah, hatte es mir drastisch geschildert: Er habe gehört, diese Tiere seien gross wie Häuser und so stark, dass sie mit dem Rüssel ganze Bäume ausreissen können. Weiterlesen

13. Better Specialize In Landscape

Von Brigitte Zaugg, 20. Februar 2015

Sambarhirsch? Gaurkuh? Indisches Wildschwein? Ein Elefant kann es jedenfalls nicht sein – der einzige Elefant, den wir auf der Jeep-Safari im Nagarahole-Nationalpark gesehen haben, hatte sich ohnehin längst in die Büsche geschlagen, als ich endlich auf den Auslöser drückte. Die meisten meiner Tierfotos von jenem frühen Morgen sehen kläglich aus, und es ist kein Wunder, dass Arno meinte, ich sollte mich vielleicht besser auf Landschaften spezialisieren, die würden mir wenigstens nicht davonlaufen. Zum bewegten Motiv kamen in meinem Fall erschwerend hinzu: eine holprige Naturstrasse voller Schlaglöcher, dazu eine Kälte, dass mir fast die Finger am iPad festfroren, und der Fahrtwind, in dem es mir immer wieder den Paschminaschal vors Gesicht schlug – da war es halt so eine Sache mit dem Fotografieren. Weiterlesen

12. Green Peace vom Feinsten

Von Brigitte Zaugg, 19. Februar 2015

Im Orange County Resort am Rand des Nagarahole-Nationalparks finden „Fans von Ruhe und Entspannung“ und „Ökotouristen“ gleichermassen das Paradies auf Erden. Wir wohnen in einem palmblattbedeckten Häuschen im Grünen, auf dem es sich – bestimmt ist das eine Glücksantwort auf den Gecko von Goa – ein Storch der Gattung Klaffschnabel gemütlich macht. Weiterlesen

11. Tierische Verkehrsteilnehmer

Von Brigitte Zaugg, 18. Februar 2015

Doddahundi, Mandanahalli, Gujjegowdanapura, Holehundi, Thelagumasahalli: Die Namen der Dörfer werden immer exotischer, und immer seltener begegnen wir motorisierten Vehikeln, dafür überholen wir vorsichtig Ziegenherden, Ochsengespanne und Kühe, denen wir für ihr nächstes Leben vor allem eins wünschen: eine saftige Schweizer Alpweide. Weiterlesen

10. Luxus einst und heute

Von Brigitte Zaugg, 17. Februar 2015

Bunte Orangerie-Dächer aus böhmischem Kristallglas, tonnenweise weisser Marmor aus Carrara, Art-déco-Möbel aus Paris, eine Audienzhalle so gross wie das Kirchenschiff im Petersdom, mit einem Thron aus purem Gold, und gigantische Fresken mit militärischen Paraden zu Ehren des Hausherrn: Der Reichtum der Maharadschas von Mysore muss grenzenlos gewesen sein, der Amba-Vilas-Palast bezeugt das mit jedem Winkel. Auf einem Gemälde ist zum Beispiel der so genannte „State Elephant“ in goldenem Geschmeide zu sehen: Es war ein Elefant, der in seinem Leben nichts anderes zu tun hatte als zu repräsentieren und vor dem Palast eine gute Falle zu machen, wenn der Maharaja hohe Gäste aus dem Ausland empfing. Weiterlesen

9. Der Mahut und sein Toyota

Von Brigitte Zaugg, 11. Februar 2015

Irgendwie königlich, wie wir, von der Air Condition lind umfächelt, im Fond eines überaus komfortablen Toyota Innova auf weiss bezogenen Sitzen mit verstellbaren Rücken- und Armlehnen thronen, vor uns die glänzend schwarze Wuschelfrisur unseres Fahrers Vijay und eine staubige Landstrasse ins Abenteuer Südindien. Weiterlesen